Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen zählen nach affektiven Störungen (Depression, Manie) und Angststörungen zu den am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen.

 

Hier muss zwischen angeborenem Temperament und erworbenen Persönlichkeitsfaktoren unterschieden werden. Persönlichkeitsstörungen entstehen meist bereits in den ersten Lebensjahren. Menschen, die später an einer Persönlichkeitsstörung erkranken, sind häufig in ihrer frühen Entwicklung beeinträchtigt bzw. gestört worden, sie konnten sich also aufgrund verschiedener Umgebungsbedingungen nicht ungestört entfalten und entwickeln.

Diese "Störfaktoren" können schwierige Familienverhältnisse, belastende Lebensbedingungen und erlebte Traumata wie physische oder psychischer Gewalt, Missbrauch und emotionale Vernachlässigung sein. Das betroffene Kind wird durch die Umwelt überfordert und muss sich früh Verhaltensweisen aneignen, um mit den erschwerten Lebensbedingungen umgehen zu können, diese Verhaltenseigenschaften werden im Zuge der Entwicklung zu Charaktereigenschaften und zu Teilen der Persönlichkeit. Die ursprünglich überlebensnotwendigen Verhaltensweisen können im späteren Leben dysfunktional sein, die Lebensqualität beeinträchtigen und für den Betroffenen selbst sowie für andere großen Leidensdruck erzeugen. Ein überdauerndes Muster des Denkens, Verhaltens, Wahrnehmens und Fühlens liegt vor, das starr und unflexibel ist und zu gravierenden subjektiven Beschwerden führen kann.

 

Persönlichkeitsstörungen im Überblick

  • Paranoide Persönlichkeitsstörung
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung
  • Schizotypische Persönlichkeitsstörung
  • Antisoziale Persönlichkeitsstörung
  • Emotional instabile Persönlichkeitsstörung ("Boderline")
  • Histrionische Persönlichkeitsstörung
  • Narzisstische Persönlichkeitsstörung
  • Unsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • Abhängige Persönlichkeitsstörung
  • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
  • Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Bindung und Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsstörungen treten häufig im Zusammenhang mit Bindungsunsicherheiten und -störungen auf. Hiermit ist die frühe Bindung eines Kindes zur Bindungsperson (z.B. die Mutter) gemeint. Die Art und Weise, wie und ob die Bindungsperson auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, ist bedeutsam dafür, wie sicher und geborgen sich ein Kind in der Welt fühlt.

Werden die Bedürfnisse des Kindes angemessen erfüllt und kann sich das Kind auf die Bindungsperson verlassen, entsteht das so genannte Urvertrauen in die Welt und sich selbst, eine sichere Bindung.

 

Erfährt das Kind aber zuviel Ablehnung seitens der Bindungsperson, wenn diese nicht auf die Bedürfnisse eines Kindes reagiert (z.B. schreien gelassen werden), d.h. zu wenig elterliche Feinfühligkeit, kann das zur Ausbildung eines unsicher-vermeidenden Bindungstils führen. Dieser tritt häufig im Zusammenhang mit einer späteren unsicher-vermeidenden, abhängigen oder antisozialen Persönlichkeitsstörungen auf.

 

Ist das Kind den Launen der Bindungsperson zu stark ausgesetzt und kann sich nicht auf diese verlassen, da die Bindunsgperson manchmal sehr feinfühlig und manchmal wieder extrem ablehnend reagiert, kann es zur Bildung einer unsicher-ambivalenten Bindung kommen. Betroffene Kinder müssen immer auf der Hut sein, müssen sich den Launen der Bindunsgperson anpassen und können nicht lernen, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Somit haben sie als Erwachsene Schwierigkeiten, für sich selbst zu sorgen und zu wissen, was ihnen gut tut. Verunsicherung mit sich selbst und den anderen ist ein ständiger Begleiter, enorme Stimmungsschwankungen und Wutausbrüche kommen häufig vor. Dies wiederum beobachtet man im späteren Leben häufig im Zusammenhang emotional-instabilen oder histrionischen Persönlichkeitsstörungen.

Hier kommt es in Beziehungen im Erwachsenenalter häufig zu Konflikten, da Betroffene ihre Partner einerseits stark idealisieren und sie danach schnell wieder entwerten. Innerlich erleben Betroffene eine chronische innere Anspannung und ein Gefühl von innerer Leere. Sie haben große Angst vorm Verlassenwerden und tun sich oft schwer damit, allein sein zu können. Selbstverletzungen und Suizidandrohungen und -versuche im Zusammenhang damit, ein potentielles Verlassenwerden zu verhindern, treten häufig auf.

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass Persönlichkeitsstörungen ausschließlich durch das Verhalten der Eltern bedingt sind - auch andere Faktoren wie z.B. die Verhältnisse im Kindergarten und in der Schule, das angeborene Temperament und die genetische Vulnerabilität (emotionale Verletzlichkeit) können bei der Entstehung von Persönlichkeitstsörung eine maßgebliche Rolle spielen.