Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung

Borderline

Seit den 1930er Jahren wurde der Begriff "Borderline" (=Grenzlinie) für ein psychisches Erleben benutzt, das Psychiater und Psychologen  nicht einordnen konnten. Einige der Erlebensweisen ähneln Symptomen, die als "neurotisch" bezeichnet wurden, andere erinnern an das Erleben einer Psychose. "Borderline" bezeichnete also psychische Probleme, die sich an der Grenze zwischen Neurose und Psychose befinden. Mittlerweile  meint Borderline eine eigenständige Erkrankung, bei der es zu verschiedenen Symptomen kommt - allgemein gesehn bewegen sich viele Betroffene als Grenzgänger  zwischen Extremen des Lebens. Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und Verzweiflung, die oft in atemberaubender Geschwindigkeit wechseln, machen das Leben von Menschen mit Borderline-Störung zu einer unglaublich anstrengenden Berg-und-Talfahrt.

Ich liebe dich -Ich hasse dich - verlass mich nicht!

Borderline als Beziehungsstörung

Wie bereits beim Kapitel über Persönlichkeitsstörungen beschrieben, gibt es einen starken Zusammenhang zwischen der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung und der frühkindlicher Bindung. Betroffene haben das Verhalten der Bindungsperson (Mutter/Vater etc.) häufig als sehr ambivalent erlebt. Mal gab es Zuneigung, dann wieder Abweisung ohne ersichtlichem Grund, manche Betroffene erlebten auch seelische oder körperliche Gewalt bis hin zu emotionalem oder sexuellem Mißbrauch. Liebe wurde als etwas erfahren, das mit (seelischem) Leid verbunden ist. Man wünscht sie sich so sehr, im selben Moment hat man Angst davor und noch schlimmer ist die Angst vor dem Verlassenwerden.

Im Erwachsenenalter werden diese problematischen Beziehungsmuster weitergetragen und machen erwachsene Liebesbeziehungen zu Minenfeldern. Zwar erleben an Borderline Erkrankte ihre Beziehungen als sehr intensiv (auch die positiven Gefühle), aber die ständige Angst vor dem Verlassenwerden, das Misstrauen gegenüber dem Liebesobjekt, das eigene ambivalente Erleben und Verhalten und die emotionale Instabilität stellen häufig ein großes Hindernis für eine tragfähige langfristige stabile Beziehung dar.

Borderline ist heilbar

Gesundung ist möglich!

Zwar ist sich die Fachwelt in diesem Punkt nicht ganz einig, aber ich persönlich als Psychologin in Wien mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung bin der Meinung, dass die Erkrankung sowohl behandel- als auch heilbar ist.

Zentraler Kern einer klinisch-psychologischen Borderline-Behandlung bzw. Therapie sollte dabei die therapeutische Beziehung sein. Wenn man Borderline als Beziehungsstörung versteht, ist es naheliegend, der Erkrankung auf dieser Ebene zu begegnen und ungesunde kranke Beziehungsmuster aufzudecken und durch neue, gesunde zu ersetzen. Dies geschieht anhand der Analyse und Reflexion bestehender (oder vergangener) Beziehungen und dem Lernen an der therapeutischen Beziehung, die tragfähig, langfristig und stabil sein sollte.

Außerdem werden Techniken erlernt, die das Aushalten bzw. den Umgang mit starken Gefühlen und heftigen Stimmungsschwankungen erleichtern sollen ("Skills"), sodass Betroffene die Kontrolle über sich selbst und das eigene Erleben und Verhalten wiedererlangen und diesen nicht mehr hilflos ausgeliefert sind. Zusätzlich ist es wichtig, sich um alte Wunden und (neuere) emotionale Verletzungen zu kümmern und diese auf gesundem Wege zu verarbeiten.

Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen! Eine professionelle Borderline-Therapie sollte langfristig und konstant angelegt werden - Wunden heilen langsam und Gesundung braucht Zeit - aber sie ist definitiv möglich!