Bipolare Störung

Himmel Hoch Jauchzend - zu Tode Betrübt

Wir kommen mit unterschiedlichem Temperament auf die Welt. Manche von uns sind eher ausgeglichen und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, andere wiederum erleben vermehrt wechselnde Stimmungen und surfen in "Auf und Ab"s auf der Welle des Lebens. Einflussfaktoren wie Wetterumschwünge und der Wechsel der Jahreszeiten oder auch hormonelle Schwankungen wie z.B. im Rahmen des weiblichen Zyklus wirken sich auf manche Menschen intensiver aus als auf andere. Das ist völlig normal und Ausdruck unserer Individualität.

 

Sind die Schwankungen bezüglich Stimmung und Befinden allerdings so stark ausgeprägt, dass sie den Alltag und die Lebensqualität eines Menschen beeinträchtigen und das Leben sich anfühlt, wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, so kann es sein, dass man unter einer bipolaren Störung leidet. Das Wort "bipolar" steht für die beiden Pole der emotionalen Extreme - Manie und Depression, weshalb man in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang von "manisch-depressiv" sprach.

 

Manie und Depression - Feuer und Asche

Als Manie wird ein Zustand enormer Aktivität mit gehobener Stimmung weit über dem Normalniveau verstanden. Handeln und Denken von Betroffenen beschleunigen sich - man möchte alles auf einmal machen, handelt impulsiv, ist gereizt und ungeduldig und empfindet das Umfeld als träge und langsam. Betroffene sind meist rund um die Uhr aktiv, schlafen kaum, da Schlaf als Zeitverschwendung empfunden wird, fühlen sich, als könnten sie Bäume ausreißen, vergessen dabei aufs Essen und treffen oft vorschnelle (Kauf-)Entscheidungen. Ein Gefühl von Euphorie kann vorherrschen und es kann zu Größenwahn kommen.

Subjektiv empfinden Betroffene ihren Zustand häufig als erstrebenswert  und  als Fortschritt ("endlich geht was weiter!"). Vorschnelles Handeln und Impulsivität können aber dazu führen, dass Betroffene in einer Phase der Manie ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen, wie z.B. den Job kündigen, eine Beziehung überstürzt beenden, große Geldbeträge für fragwürdige Investitionen ausgeben etc...

 

Eine so genannte manische Phase baut sich langsam auf und kann ein paar Wochen bis Monate anhalten. Danach kommt es bei einer bipolaren Störung zum Absturz in den gegenteiligen Zustand - die Depression. Die Manie kann in diesem Zusammenhang auch als Feuer beschrieben werden und die Depression als die Asche der Manie. In der depressiven Phase stehen Betroffene häufig vor den Trümmern ihres "alten Lebens" und müssen sich mit den Konsequenzen ihres impulsiven Verhaltens während der Manie konfrontieren (z.B. Job weg, PartnerIn weg, Geld weg).

Die Depression hält meistens länger an als die vorausgehende manische Phase, Betroffene leiden unter Schuld- und Wertlosigkeitsgefühlen, Schlafstörungen, vermindertem Antrieb, Ängsten und im Extremfall an Gedanken an den Tod.

 

Betroffene einer bipolaren Störung erleben solche extremen Schwankungen immer wieder, ausgeglichenere Phasen dazwischen sind manchmal nur von kurzer Dauer.