Psychisch krank?

Was ist eine psychische Störung?

Eine psychische Erkrankung bzw. Störung definiert sich durch den Leidensdruck, den der oder die Betroffene empfindet. Das Leiden manifestiert sich dabei auf seelische Ebene - starke Gefühle wie Wut, Angst und Traurigkeit spielen hier eine große Rolle.

 

Natürlich gehören negative Gefühle zum Leben dazu und sind somit ganz "normal" - das empfundene Ausmaß, die Häufigkeit und die Dauer schwieriger Emotionen sind bei einer psychichen Erkrankung allerdings viel stärker ausgeprägt und beherrschen somit den Alltag des/der Betroffenen.

Das Leben ist durch den empfundenen Leidendruck nur mehr eingeschränkt möglich, berufliche und familiäre Aufgaben können kaum oder nicht mehr bewältigt werden und es fällt zunehmend schwerer, für sich und andere zu sorgen. Betroffene sprechen oftmals von "seelischem Schmerz" oder "innerer Qual", manche empfinden aber auch eine innere Leere oder klagen darüber, "nichts mehr richtig fühlen zu können".

Körper, Geist und Seele

Da Körper und Psyche untrennbar miteinander verbunden sind, können bei einer psychischen Erkrankung auch körperliche Schmerzen im Vordergrund stehen - vor allem wenn seelische Konflikte über den Körper zum Ausdruck gebracht werden.  Hier treten häufig Kopf-, Rücken-, Bauch- und Unterleibsschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden auf.

 

Aber nicht nur die Psyche beeinflusst den Körper (Psychosomatik) - auch umgekehrt beeinflusst der Körper die Psyche. Der so genannte Vagusnerv (zweitgrößter Nerv im Körper) verbindet unser Gehirn mit unseren Organen, vor allem mit dem Magen-Darm-Trakt. Darmerkrankungen sind demnach sehr häufig mit seelischen Empfindungen verbunden.

Alarmsignale

Wann ist eine Behandlung notwendig?

So wie auch bei körperlichen Erkrankungen bestimmt meist der empfundene Leidensdruck ob und wann wir uns in Behandlung begeben.

Wenn wir unsere Probleme alleine oder mit den Ratschlägen von Freunden nicht mehr ausreichend bewältigen können, wenn unser Leben durch unser Leid beeinträchtigt wird und wir die Dinge, die uns normalerweise Freude bereiten, nicht mehr genießen können. Wenn wir uns unter anderen Menschen nicht mehr wohl fühlen, wenn wir kaum mehr schlafen oder essen können und unsere Gedanken nur mehr um negative Inhalte kreisen - dann wird es höchste Zeit, unsere Probleme mit professioneller Hilfe in die Hand zu nehmen.

Um ein starkes Alarmsignal handelt es sich außerdem, wenn wir uns selbst oder andere (z.B. Schutzbefohlene wie Kinder) nicht mehr versorgen können, das Haus nicht mehr verlassen wollen/können oder uns selbst oder andere mit unserem Verhalten gefährden. Außerdem ist der Schlaf ein guter Indikator für unser seelisches Befinden - so sind Schlafstörungen häufig die ersten Anzeichen dafür, dass etwas in uns nicht stimmt und sollten ernst genommen werden.

 

Grundsätzlich leiden ca. 40 % der Menschen in ihrem Leben mindestens einmal an einer seelischen Erkrankung. Psychische Störungen treten also sehr häufig auf, verursachen großen Leidensdruck und sollten demensprechend behandelt werden. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man psychische Probleme hat und je eher man eine Krankheit behandelt, umso besser kann sie auch geheilt werden.

 

Heilung psychischer Krankheiten

Kann man psychische Erkrankungen heilen? Welche sind die erfolgreichsten Behandlungsmethoden?

Grundsätzlich gilt: Die meisten psychischen Erkrankungen sind heilbar!

 

Je nach Schweregrad und Form der Erkrankung dauert der Heilungsprozess unterschiedlich lange - wichtig ist allerdings, dass man die Krankheit behandelt. Unbehandelte psychische Störungen führen häufig zu einer Chronifizierung und einer langfristigen Verschlechterung der Gesundheit und der Lebensqualität und im schlimmsten Fall zur Verkürzung der Lebenszeit des/der Betroffenen

 

Am erfolgreichsten werden psychische Störungen durch psychologische/psychotherapeutische Methoden sowie den gezielten Einsatz von Medikamenten behandelt. Eine Kombination aus psychologischer Behandlung und ev. Medikation ist dabei am effektivsten, da Psychopharmaka allein keine langfristigen Erfolge zeigen und zum Teil starke Nebenwirkungen verursachen.

 

Zusätzlich können körper- und ausdrucksorientierte Therapien wie Gesangstherapie, Tanztherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie und somatische Traumatherapie den Heilungsprozess unterstützen bzw. ergänzen.