Essstörungen

Wenn Essen zum Problem wird

Schlank sein hat in unserer westlichen Überflussgesellschaft einen hohen Stellenwert und gilt als Ideal, das mit Disziplin, Stärke, Schönheit und sogar Klugheit verbunden wird. Übergewicht wird wiederum mit negativ besetzten Inhalten wie Faulheit, Sich-gehen-lassen, Trägheit, Disziplinlosigkeit und Schwäche assoziiert. Vor allem Frauen sind dem gesellschaftlichen Schlankheitsdruck stark ausgeliefert, Models, Schauspielerinnen und sonstige als erfolgreich angesehene Frauen stehen hier als Rollenmodelle im Fokus der Öffentlichkeit, wobei sie selten "zu dünn" sein können. Als Folge dessen sind viele Frauen chronisch unzufrieden mit ihrem Körper, sowie unsicher was ihre weibliche Identität bzw. das Frau-Sein als solches betrifft.

 

Vor allem junge Mädchen, deren Körper sich beim Eintritt der Pubertät vom Knabenhaften ins Weibliche verwandelt, leiden oftmals stark unter dem Druck des modernen Schlankheitsideals. Viele beschäftigen sich übermäßig mit Gewicht und Figur, versuchen auf verschiedene Arten abzunehmen, was häufig in ein ständiges Diäthalten mündet.

 

Sind Frauen und Mädchen überdies hohen Belastungen, Traumata, Krisen, familiären, beruflichen oder schulischen Problemen ausgesetzt, kann die Beschäftigung mit dem Essen oder Nicht-Essen zu einem eigenständigen und mächtigen Problem werden..


Magersucht bzw. "Anorexia nervosa"

Wenn kaum oder gar nicht mehr gegessen wird und die/der Betroffene  sich weigert, ein minimales normales Körpergewicht zu halten, handelt es sich um die allseits bekannte Magersucht. Die Angst vorm Zunehmen bestimmt das Leben und die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme und das Gewicht werden zur Vollzeitbeschäftigung sowie zum Zwang. Anorexie kann bis zum Tod führen, denn durch unzureichende Nährstoffaufnahme verliert der/die Betroffene nicht nur Lebendigkeit, Kilos, Haare und Zähne, sondern auch Muskelmasse, was im Falle des Herzmuskels fatal sein kann.


Bulimie bzw. "Bulimia nervosa"

Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen

Bulimie bedeutet, sich Essen in großen Mengen anfallsartig zuzuführen und danach die Folgen einer Gewichtszunahme zu verhindern. Dies wird häufig durch gezieltes Erbrechen, extremes Fasten, exzessive Bewegung oder die Einnahme von Abführmitteln versucht. Ein Teufelskreis aus Diäthalten und Essanfällen entsteht, wobei die Heißhungerattacken als unkontrollierbar erlebt werden und häufig als entspannenden Ausgleich zur Strenge des Alltags empfunden werden.  Betroffene leiden oftmals unter zu hohen Anforderungen, Leistungsdruck, Depression und Einsamkeit. Sie müssen allerdings nicht zwingend übermäßig schlank sein, da die Kompensationsmethoden (Erbrechen etc.) ihren Zweck häufig nicht erfüllen, was zu noch mehr Frustration, Wut und Traurigkeit führen kann.


Binge-Eating

Wenn Essen nicht satt macht

Mit "Binge-Eating" bezeichnet man ähnlich wie bei der Bulimie übermäßiges unkontrolliertes Essen in großen Mengen. Betroffene führen allerdings keine Kompensationsversuche wie Erbrechen durch, wodurch sie häufig stark an Gewicht zunehmen. Essen bedeutet in diesem Fall viel mehr als nur Nahrung zu sich zu nehmen - oft handelt es sich hier um Hunger nach Zuwendung, Liebe und Belohnung, wobei körperlicher Hunger kaum eine Rolle spielt. Betroffene leiden häufig unter starken Ekel- und Schuldgefühlen sich selbst gegenüber. Einsamkeit, Depression und Angst spielen hier oftmals ebenfalls eine Rolle.